Oktober

Zuerst rannte dieser Monat, doch jetzt am Ende kann ich doch auf viele schöne Ereignisse zurückblicken.

Zu Anfang des Monats mussten wir Michael verabschieden, der einsehen musste, kein Jahr hier in Israel verbringen zu können und deshalb lieber sofort die Gruppe und Beit Uri verlassen wollte. Sehr schade, denn mit Michael hatten wir nun einen sehr unterhaltsamen Mitspieler verloren. Gleichzeitig konnten wir aber Lukas willkommen heißen, der mit einmonatiger Verspätung hier in Beit Uri anfangen sollte.

Am Tag von Lukas Ankunft beschlossen wir 9 Volos einen Ausflug nach Haifa. Abends gefeiert, nachts am Strand geschlafen, morgens im Meer geschwommen und nachmittags bin ich mt Benne und Pascal zum Fussball gegangen. Wir sahen das Spiel Maccabi Haifa gegen Petach Tikva (3:1), das mit der Bundesliga eindeutig nicht mithalten konnte, aber trotzdem sehr unterhaltsam war.

In unserer Wg herscht nun seit zwei Monaten der Interessenkonflikt, wie mit den Fussballbegeisterten umgegangen werden soll. Benne, Pascal und Ich haben eindeutig allmächtiges Wissen über diesen Sport, wohingegen fünf diesen Sport hassen und verachten. Einer gibt den Neutralen. Bis jetzt konnten wir uns abends noch durchsetzen, Championsleague bzw. Länderspiele im Internetradio zu hören.

In diesem Monat gab es die ersten jüdischen Feiertage seit unserer Ankunft. Zuerst Rosch haShana, das Jüdische Neujahrsfest, dann Jom Kippur, der bedeutenste jüdische Feiertag und schließlich Sukkot, das Laubhüttenfest. Beim Laubhüttenfest setzten wir uns eine Woche lang zum Essen mit unserem Haus unter einem Palmendach nach draußen. Man dachte an die Israeliten, die 40 Jahre lang durch die Wüste wanderten, bis sie auf das heilige Land trafen.

An Jom Kippur gab es in Akko, einer vornehmlich arabischen Stadt nördlich von Haifa, Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern, die später alle Zeitungen füllten. Wir hatten uns Akko einen Tag vorher zum Ziel genommen für unseren Wochenendausflug und erfuhren auch erst über Spiegelonline von den Auseinandersetzungen. Jedoch geplant ist geplant und wir machten uns auf den Weg in die Altstadt von Akko. In der Stadt gab es aufgrund der Ausschreitungen kaum Touristen, jedoch um so mehr Polizisten und Soldaten. Franz, Lukas, Benne, Elias und Ich machten uns einen gemütlichen Abend mit Wasserpfeife. Wir legten uns am Strand zum schlafen und wurden die Nacht über von mehreren Helikoptern beleuchtet, die über Akko flogen und das Geschehen beobachteten. Als wir morgens aufwachteten, waren wir umzingelt von 300 Polizisten. Im ersten Moment Stirnrunzeln auf beiden Seiten, doch dann verstanden wir, dass wir uns zum schlafen am Strand vor der Polizeistation gelegt hatten.Naja...

Die nächste Woche war in Afula zur Feier des Sukkot täglich ein Event am Abend geplant. Wir gingen entweder abends zum Konzert oder in die Stadt mit einigen Membern tanzen. Das alles war aber nichts im Vergleich zu dem, was wir am folgenden Wochenende am Toten Meer erleben sollten. Paul und Ich trampten. Erst nahmen uns Studenten mit, mit denen wir interessante Erfahrungen austauschten, dann nahmen uns drei Jugendliche mit, die auf dem Weg zu einem Festival waren. Anstatt ans Tote Meer fuhren wir also zum Festival und bezahlten 150 Shekel(33 Euro). Wir konnten es kaum glauben als ich mit Paul, Tim und Franz plötzlich zwischen 5000 Jugendlichen in unserem Alter standen. Das Konzert war unglaublich, die Band machte Musik zwischen Pop und Rock. Das Publikum machte das Konzert zu einer riesigen Party. Man konnte sich für drei Stunden einfach gehen lassen. Verschwitzt trampten wir um 1 Uhr morgens zurüch nach En Gedi am Toten Meer und legten uns auf einen Parkplatz schlafen. Den nächsten Morgen entspannten wir am Toten Meer und besuchten den Kibbutz En Gedi. Auf unserem Rücktramp hatten Paul und Ich das Glück, auf Leute zu treffen, die von En Gedi direkt nach Afula fuhren - ein sehr unwahrscheinliches Glück. Ich denke, dass das der beste Ausflug bisher war.

Mir ist auch auf den Ausflügen klar geworden, wie viel Spaß mir die Arbeit hier in Beit Uri bereitet. Ich freute mich an den Wochenenden, meine Member am darauffolgenden Tag wieder zu sehen, mal um sie rum zu kommandieren, mal um mich auf ihr Level zu begeben oder einfach um deren unerwarteten Reaktionen in vielerlei Hinsicht mitzuerleben. Ist mir nachmittags langweilig, kann ich in mein Haus gehen und bin automatisch positiv gestimmt.

Die Woche darauf fuhren wir alle Neune in die Wüste und wanderten ein langes Stück. Perfekte Temperaturen, neue Leute und eine Landschaft, die man bis dahin nicht kannte...              Danach die Woche wollte ich mir eine Pause können, konnte es dann aber doch nicht aushalten, wie die anderen Pläne fürs Wochenende schmieden und entschied mich dann kurzer Hand mit nach Jerusalem zu fahren, wo wir Abends auf eine Wg-Fete von deutschen Volos gingen und den nächsten Tag zum ersten Mal ins Westjordanland nach Bethlehem fuhren.

31.10.08 13:10

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